Alle Artikel in: Impressionen

Ein Prosit auf das Václav-Havel-Bänkchen!

Ehemaligen Staatspräsidenten wurden bestimmt schon viele Denkmäler gesetzt,  aber wohl kaum auf eine so sympathische Weise wie dies an vielen Orten in Tschechien (und nicht nur dort) für Václav Havel geschieht, der heute, am 05. Oktober 2019 83 Jahre alt geworden wäre. Die „Václav-Havel-Bank“ (Lavička Václava Havla) erinnert an die Symbolfigur der Samtenen Revolution 1989, zwar ist sie eigentlich keine Bank, sondern zwei massive Stühle, die an einem runden Tischchen stehen und zu einem Gespräch einladen. In der Mitte dieses Arrangements ist stets ein Baum, der angenehmen Schatten spendet. Dieses „Denkmal“ findet sich unter anderem in Prag, in Pilsen, seit heute auch in Brünn. Doch am besten hat mir das Havel-Bänkchen diesen Sommer in Liberec gefallen. Den beiden Handwerkern, die bei über 30 Grad im Schatten gerade ihre wohlverdiente Mittagspause einlegten, war gar nicht bewusst, WO sie es sich da gerade gemütlich gemacht hatten. Nach einem lustigen kleinen Wortgeplänkel waren wir uns alle einig, dass diese praktische Nutzung Havels Zustimmung bestimmt gefunden hätte…

„Mein Weg zu unseren Deutschen“ – noch ein Buchtipp

Zehn tschechische Perspektiven versammelt das kleine Büchlein, das von Wolfgang Schwarz, dem Kulturreferenten für die Böhmischen Länder im Adalbert Stifter Verein, herausgegeben wurde. Mit „unsere Deutschen“ sind aus tschechischer Sicht die Sudetendeutschen gemeint, die auch heute noch und vielleicht wieder eine wichtige Rolle im Selbstverständnis Tschechiens in Europa spielen. Tschechinnen und Tschechen verschiedener Generationen, ob in der Literatur, der Politik oder Geschichtsforschung zu Hause, beschreiben ihre ganz persönliche Sichtweise auf das deutsch-tschechische Verhältnis. Das lesenswerte Werk ist vor Kurzem in der edition lichtung erschienen und wird auch bei der „Viechtacher Literaturrevue“ am 25. Oktober 2019 präsentiert.

„Tschechien“ – ein Buchtipp

In der ersten Auflage 2006 noch als „Nachbarschaftskunde für Deutsche“ untertitelt (was mir tatsächlich besser gefällt), hat das Buch des Journalisten Hans-Jörg Schmidt inzwischen die vierte Auflage erreicht und wurde natürlich auch aktualisiert. Wir durften den Autor, der seit 30 Jahren in Tschechien lebt und von dort aus berichtet, nun persönlich erleben. So kurzweilig und zugleich kenntnisreich kann aus deutscher Perspektive wohl kaum jemand über Land und Leute  schreiben. Wer sich auch für die Hintergründe im Nachbarland interessiert, kommt an diesem Titel nicht vorbei. Da es, wie viele gute Bücher, nur selten in Buchhandlungen herumsteht, am besten beim Ch. Links Verlag bestellen…

„Begegnungen – setkáni“ in Viechtach

Wer derzeit durch die zauberhafte Bayerwaldstadt Viechtach schlendert, kann noch bis zum 6. Oktober eine Art deutsch-tschechische Freiluftgalerie genießen. In der ganzen Innenstadt finden sich großformatige Fotografien aus dem grenzüberschreitenden Projekt Setkání – Begegnungen Es gibt einen Info-Flyer zur Ausstellung sowie einen tollen Bildband „Einen Moment bitte! Oder zwei?  mit Texten und Fotografien von Johannes M. Haslinger, Herbert Pöhnl und Bernhard Setzwein im Pustet Verlag. Wohin verschwinden die Grenzen? Der Untertitel des Bildbandes kann auch als Motto der Ausstellung gelten. Nach dem höchst amüsanten und erhellenden Rundgang ist jedenfalls klar: Viechtach ist schon lange im Herzen Europas angekommen. Zonenrandgebiet war im letzten Jahrtausend.

Ein Blick nach Mitteleuropa

Die Leipziger Buchmesse ist schon ein paar Wochen vorbei, die Wahlen zum Europaparlament waren vor ein paar Tagen. Da lohnt doch ein Blick zurück auf einen äußerst lesenswerten Artikel von Gregor Dotzauer in „Der Tagesspiegel“ mit dem bezeichnenden Titel „Wo bitte geht’s nach Mitteleuropa?“ Er beschreibt darin die politische Entwicklung Tschechiens seit der Samtenen Revolution und die Rolle der Literatur im Nachbarland.  Hier kommt auch die BALAENA-Autorin Dora Kaprálová („Berliner Notizbuch“) zu Wort, die „verlorene Tochter einer verlorenen Monarchie“…   Nun hoffen wir mal, dass nach den Europawahlen noch nichts verloren ist, sondern im Gegenteil, wir uns endlich mehr füreinander zu interessieren beginnen!

AHOJ! Man lernt nie aus…

Nun liegt die Buchmesse mit dem fulminanten Gastlandauftritt Tschechiens hinter uns und es ist Zeit, die vielen Eindrücke zu verarbeiten und neu zum Ausdruck zu bringen. Danke an Martin Krafl, den unermüdlichen Moderator des Programms am Tschechischen Stand, der jede Veranstaltung mit einem fröhlichen AHOJ LEIPZIG! begann. Nun weiß auch die (vermeintliche) Tschechienkennerin endlich, was AHOJ bedeutet! (Zu meiner Entlastung: auch manch „waschechte“ Tschechin wurde von der Erkenntnis überrascht.) Der lässige Gruß im Tschechischen sei ursprünglich die Abkürzung von Ad HOnorem Jesu!  Das ist umso interessanter, als uns ja die tschechischen Nachbarn als die Nation in Europa bekannt sind, die den niedrigsten Anteil an bekennenden Gläubigen verzeichnen. Wer ein bisschen nachforscht, findet in der tschechischen Geschichte gleich noch ein paar weitere Bedeutungen dieses Akronyms. So konnte Ahoj unter anderem zur Zeit der Nazi-Besetzung auch als Klar, wir hängen Adolf Hitler (Adolfa Hitlera oběsíme jistě) verstanden werden. Unglaublich, was hinter vier Buchstaben so alles verborgen sein kann. Bei Wikipedia findet sich ein umfangreicher Artikel hierzu.

Ahoj Tschechien 2019!

Vom 21. bis 24. März steht die Buchmesse Leipzig in diesem Jahr ganz im Zeichen des Gastlandes Tschechien. Und dazu haben sich die Verantwortlichen der Messe in Leipzig, die Mährische Landesbibliothek in Brünn und das Tschechische Kulturministerium sowie eine Vielzahl weiterer Kooperationspartner ein wahres Feuerwerk an Veranstaltungen rund um die tschechische Kultur ausgedacht. Nicht nur in Leipzig, nicht nur zur Messezeit, sondern ein ganzes Jahr lang und an verschiedenenen Orten.Nichts wie hin! Die Webseite, die man sich unbedingt merken muss: Ahoj Leipzig 2019

Radůza & cukroví auf Bayern 2

Heute im Autoradio gehört: Auf Bayern 2 brachten sie Rezepte für die Weihnachtsbäckerei aus anderen Ländern. Unter anderem auch für tschechische “Obalované cukroví“ (Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Das Foto zeigt natürlich „Perničky“, die ich nach einem Rezept meiner Freundin Zuzana aus Prag ausprobieren will) Meine Freude wurde noch gesteigert, als ich im Anschluss daran auch noch die Töne eines meiner Lieblingssongs der tschechischen Musikerin Radůza erkannte. „Nebe – peklo- raj“ – hurra! Lieber Bayerischer Rundfunk: bitte macht weiter so und wagt Euch an tschechisches Liedgut jenseits von Karel Gott! Und falls Ihr Euch wieder einmal fragt, wie man denn diesen oder jenen Namen richtig ausspricht, dann lasst Euch bitte vom Christkind die „Erste Hilfe TSCHECHISCH“ schenken, oder hört Euch wenigstens die Audiospur Nr. 2 an. Es heißt halt nun mal „Raduhsa“ und nicht „Radutza“. Es würde ja auch niemandem einfallen, „Tscharls-der-Gaul“ statt „Scharldegohl“ zu sagen! Aber das ist ja auch französisch und das sprechen wir alle fließend, oder?

100 Jahre Staatsgründung

Zum Hundersten Jahrestag der Gründung der Tschechoslowakei 1918 findet sich heute ein absolut lesenswerter Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Denn nicht nur der tschechische Streetart-Künstler ChemiS, von dem das Mural mit dem weinenden Tomáš G. Masaryk stammt, sondern auch so manch andere, die in der Tschechoslowakei geboren wurden und sich dann in den Neunzigern plötzlich in einem anderen Staat wiederfanden, haben in diesen Tagen gemischte Gefühle. In der Süddeutschen kommen die beiden Schriftsteller Jaroslav Rudiš und Michal Hvorecký zu Wort, die jeweils aus tschechischer und slowakischer Sicht die Trennung der beiden Staaten und die aktuelle Situation beschreiben.